Der digitale Landwirt

Autor: Torsten Altmann

PK Köstinger Digitalisierung
Gemeinsam mit Andreas Wurzinger (l.), Obmann der Österreichischen Jungzüchtervereinigung , Heinrich Prankl (Geschäftsführer Josephinum Research, 2.v.r.) sowie Harald Leitenmüller, CTO bei Microsoft Österreich, stellt Ministerin Elisabeth Köstinger den Bericht zur Digitalisierung in der Landwirtschaft vor.
Quelle: BMNT/Paul Gruber

Welche Potenziale bietet die Digitalisierung für Bauern? Wie weit ist die Umsetzung bereits? Welche Herausforderungen sind noch zu bewältigen? Diesen Fragen geht der Bericht "Digitalisierung in der Landwirtschaft" nach, den Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger der Presse diese Woche präsentiert hat.

"Dieser Bericht soll die Grundlage für unser künftiges Handeln sein. In den nächsten Jahren werden wir Handlungsempfehlungen daraus abarbeiten. Aus unserer Sicht soll die Digitalisierung der Landwirtschaft aber vor allem ein wesentliches Ziel haben: Den Bäuerinnen und Bauern das Leben zu erleichtern", so Köstinger.
 
Vom Ackerbau bis zur Tierhaltung
 
Digitale Technologien sind in der heimischen Agrarwirtschaft bereits vielerorts sowohl im Ackerbau als auch in der Tierhaltung im Einsatz. Einer Schätzung zufolge nutzen etwa 5 bis 10% der bäuerlichen Betriebe intelligente Farmmanagementsysteme im Ackerbau. Laut einer KeyQuest-Umfrage werden 13% aller Ackerflächen mit GPS-gesteuerten Technologien bewirtschaftet. Aber nicht nur am Feld, sondern ebenso in der Tierhaltung und der Vermarktung bietet die Digitalisierung Potenziale, insbesondere für die kleinstrukturierte heimische Landwirtschaft, ist die Ministerin überzeugt. Köstinger: „Künftige Chancen sehe ich für unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich vor allem auch in der regionalen Direktvermarktung unter Ausschluss großer Lebensmittelkonzerne."
 
Anbieter und Nutzer vernetzen und ausbilden
 
Damit die heimischen Land- und Forstwirte am technologischen Fortschritt anknüpfen können, will die Ressortchefin das Thema politisch vorantreiben und Handlungsanleitungen auf Basis des heute veröffentlichten Berichts umsetzen. Dabei wird der Fokus auf drei Elemente gelegt: Den Bäuerinnen und Bauern die Technologien greifbar zu machen, Entwickler und Anwender besser zu vernetzen sowie schließlich die Weiterbildung der Anwender voranzutreiben und das Thema auch in der Beratung stärker zu verankern.
 
Ab dem nächsten Schuljahr wird es deshalb am Francisco Josephinum in Wieselburg einen eigenen fünfjährigen Schwerpunkt "Landwirtschaft und Digitalisierung" geben. "Hier geht es besonders darum, den Schülern Agrarische Systemtechnik und Informationssysteme im Bereich der Digitalisierung näherzubringen", sieht Köstinger die Digitalisierung als eines der wichtigsten Instrumente der Zukunft für die Landwirtschaft in Österreich an.
 
Reaktionen aus der Interessenvertretung
 
„Digitalisierung bedeutet keineswegs nur große, teure Technik. Gefragt ist die Kombination aus smarten und einfachen Lösungen. So helfen Apps fürs Smartphone bei Dokumentation und Betriebsführung genauso wie soziale Medien bei Marketing und Kommunikation. Es gilt nun, alle Chancen, welche die Digitalisierung bietet, intelligent zu nutzen. Die Landwirtschaftskammern und das LFI unterstützen die Bäuerinnen und Bauern dabei", begrüßt LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger den von Bundesministerin Elisabeth Köstinger präsentierten Bericht. Die Online-Wissensplattform lkdigital.at gibt einen guten Überblick über die Vielschichtigkeit digitaler Themen in der Land- und Forstwirtschaft", berichtet Moosbrugger.
 
Arbeit am Hof erleichtern
 
Bauernbund-Präsident Georg Strasser meint zur neu eingerichteten Plattform: „Die Digitalisierung bietet zahlreiche Möglichkeiten, um das alltägliche Leben und die harte Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern zu erleichtern. Durch moderne Überwachungssysteme wird beispielsweise eine ständige physische Bindung an den Arbeitsplatz überwunden, weil die Tiere über eine App am Smartphone beobachtet werden können. Dass sichert eine hohes Tierwohl. Gleichzeitig können Arbeiten am Feld verrichtet werden. Die Digitalisierung ermöglicht Arbeitsschritte neben- und unabhängig voneinander zu erledigen.“

Weiters erklärt Strasser: „Der Bericht verweist auf das Potenzial einer österreichweiten Digitalisierung und soll als Grundlage für die Umsetzung konkreter Bildungsmaßnahmen und Handlungsfelder in der Praxis dienen. Zusätzlich will das Bundesministerium einen digitalen Muster-Bauernhof („Innovation Farm“) nach dem Vorbild von Deutschland und der Schweiz gründen.“

Ökologische und ökonomische Perspektiven

"Wenn man von Digitalisierung im landwirtschaftlichen Bereich spricht, fallen häufig die Begriffe Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel immer deutlicher spürbar wird und die Preisentwicklung für Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger oder Sprit nach oben zeigt, ergeben sich dadurch positive ökologische und ökonomische Perspektiven", erklärt Franz Xaver Broidl, Bundesobmann der Österreichischen Jungbauernschaft, mit Blick auf den vorgestellten Bericht.

Tierbeobachtung
In der Tierbeobachtung bringen die digitalen Systeme enorme Erleichterungen und Kosteneinsparungen.
Quelle: Altmann

"Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln, wie Sensoren oder Apps, ist entgegen der weitverbreiteten Meinung nicht nur für große Betriebe interessant, sondern insbesondere auch für die kleinstrukturierte Landwirtschaft, wie wir sie in Österreich vorfinden. So können etwa Brunsterkennungssysteme eine Chance für Nebenerwerbsbetriebe sein, wo die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit nur eine beschränkte Möglichkeit zur Tierbeobachtung bietet. Ähnliches gilt für die Früherkennung von Krankheiten.

Als Österreichische Jungbauernschaft sehen wir hier ein enormes Potenzial für jeden einzelnen Betrieb. Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass viele der Technologien nur einsetzbar sind, wenn ein flächendeckender Breitbandausbau und schnelles Internet für alle endlich Realität werden", so Broidl abschließend.



Den Bericht des BMNT finden Sie hier
 

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