Videoreport: Erfahrungen mit Striegel und Hacke

Für eine Videoreportage haben wir einen Betrieb eine Saison lang beim Striegeln und Hacken begleitet. Im recht nassen Jahr 2021 war die mechanische Unkrautkontrolle eine echte Herausforderung.

Worauf kommt es beim Einsatz von Striegel und Hacke wirklich an? Wir wollten das genau wissen, und haben einen Biobetrieb über eine Saison mit der Videokamera begleitet. Die wichtigsten Ergebnisse unserer Reportage fassen wir hier zusammen, das Video finden Sie unter dem Link rechts oder auch auf unserem YouTube-Kanal.

Die Familie Fockenbrock im münsterländischen Telgte ist in der Region als Direktvermarkter für Milch und Milchprodukte bekannt. Zum Jahreswechsel 2019/20 haben die Fockenbrocks auf Bio umgestellt und sind nun bei Bioland zertifiziert. Grund war u.a. die besseren Chancen in der Direktvermarktung. Der Betrieb bewirtschaftet ca. 90 ha und baut Feldkleegras, Mais und Gerste als Futter für die 90 Milchkühe plus Nachzucht an. Die Böden sind meist leicht und bewegen sich zwischen 18 und 38 Bodenpunkten.

Chef Manfred Fockenbrock und sein Sohn Henning haben uns beim Einsatz ihres Striegels und der Hacke genau zusehen lassen. Henning Fockenbrock stand uns dabei für die Video-Interviews Rede und Antwort.

Die Familie setzt auf den 12 m breiten Striegel Aerostar-Exact und die 6 m breite, kameragelenkte Hacke Chopstar mit Kameralenkung Row-Guard, beide von Einböck. Als Schlepper steht ein Fendt 516 Vario zur Verfügung. Unsere Reportage dreht sich allerdings weniger um die Technik, als um den präzisen Einsatz der Geräte. Und der sollte in dem nassen Frühling und Frühsommer im Münsterland sehr anspruchsvoll werden…

Verspäteter Start im Getreide

Ein langer Winter, ein kaltes Frühjahr: Der erste Striegeleinsatz im Getreide steht am 25.3. an – gut zwei Wochen später als üblich. Bei unserem Termin ist der Boden bereits gut fünf Tage abgetrocknet und – genau so wichtig – die kommenden Tage ist kein Regen gemeldet. Zum Striegeln muss der Boden schüttfähig sein, denn die Hauptwirkung ist nicht das Herausreißen, sondern eher das Verschütten der auflaufenden Beikräuter.

Einfluss auf den Effekt bei diesem Einsatz haben der Anstellwinkel der Zinken, aber vor allem der Zinkendruck und die Fahrgeschwindigkeit. Henning Fockenbrock kontrolliert die Einstellung seines Striegels immer wieder: „Kann ich schärfer arbeiten, oder reiße ich schon Getreidepflanzen heraus“ Der junge Landwirt bewegt sich in diesem Pflanzenstadium auf einem schmalen Grat zwischen effizienter Unkrautkontrolle und zunehmenden Kulturschäden.

Im letzten Jahr konnte er bei trockeneren und wärmeren Verhältnissen im Getreide bis zu 6,5 km/h fahren, in diesem Jahr sind maximal 5 km/h drin – schon ein halbes km/h kann entscheiden. Beim ersten Striegelgang fahren die Fockenbrocks grundsätzlich in Bestellrichtung. Einige Tage später – je nach Witterung und Wachstum – folgt ein weiterer Striegelgang, diesmal quer zur Saatrichtung. Ganz wichtig für den Erfolg ist zudem eine möglichst ebene Bodenoberfläche. Hier sind die Landwirte noch nicht ganz zufrieden. Die Säkombi hinterlässt noch Unebenheiten, um die sich die Fockenbrocks bei der nächsten Bestellung noch intensiver kümmern wollen.

Mit der hydraulischen Zinkendruckverstellung versucht Henning Fockenbrock sich möglichst dicht an die Grenze heranzutasten: „Man muss Spaß am Finetuning haben, immer wieder absteigen und kontrollieren“, bringt der Praktiker seine Taktik auf den Punkt. Ohne Experimentierfreude geht’s nicht, ist er überzeugt.

Bis zum Sommer geht die Strategie im Getreide auf – die Bestände bleiben einigermaßen sauber. Doch dann machen die ergiebigen Niederschläge den Fockenbrocks einen Strich durch die Rechnung: Windhalm wächst durch und setzt der Gerste ordentlich zu. Für Henning und Manfred Fockenbrock nicht komplett unerwartet – so was kann in feuchten Jahren wie diesen immer mal wieder passieren – übrigens auch auf gespritzten Schlägen.

Für die nächste Saison wollen die Landwirte bei Bedarf auch das Getreide hacken. Bei der Saat wird jedes zweite Schar der Drille verschlossen und das Getreide auf 25 cm Reihenabstand abgelegt. Die Getreidehacke wollen die Praktiker an den Verschieberahmen der vorhandenen Kameralenkung anbauen. Insgesamt planen sie, den Getreideanteil in der Fruchtfolge durch den Anbau von Hafer zu erhöhen.

Striegel im Mais

Das nächste Mal treffen wir Henning Fockenbrock am 8. Juni. Auf einer Maisfläche direkt am Hof steht der erste Striegeleinsatz an. Zu diesem Zeitpunkt ist die Natur im...