Das sagen die Bosse

top agrar fragt nach: Wie schlägt sich die Landtechnik? Plus

Wir haben mit den Verantwortlichen von neun Landtechnikunternehmen gesprochen: Welches Fazit ziehen Horsch, Claas, AGCO, Amazone, Lemken, Deutz-Fahr, Krone, John Deere und Grimme in der Coronakrise?

Philipp Horsch

Philipp Horsch stellt fest, dass die Landwirtschaft im Ansehen gestiegen ist. (Bildquelle: Pressebild)

Horsch: Gut durch die Krise

Wir können dankbar sein, wie wir bisher durch diese Krise gekommen sind. Das liegt auch daran, dass die Belegschaft sehr positiv und kreativ mitzieht. Wir haben das stärkste Frühjahr unserer Unternehmensgeschichte. Wir haben viele Samstage und auch über die Ostertage produziert. Wir hatten zunächst Bedenken, dass es Probleme bei den Zuliefererteilen geben wird. Aber bis auf Motorenlieferungen aus Italien für die Selbstfahrer hat sich bisher nichts verzögert.

Wir haben direkt am 16. März damit begonnen, alle Maßnahmen so gut wie möglich umzusetzen. Weil wir in der letzten Zeit sehr viel gebaut haben und konsequent jeden Raum nutzen, konnten wir für Abstand der Mitarbeiter in den Büros sorgen. Es arbeiten vielleicht 10 % im Homeoffice.

In der Produktion ist es natürlich schwieriger. Hier tragen die Mitarbeiter Masken. Im April sind zwei Fälle bei uns aufgetreten. Weil wir uns vorab um Laborkapazitäten bemüht hatten, konnten wir aber alle Kontaktpersonen unmittelbar testen lassen – mit negativem Ergebnis.

Uns ist es wichtig, dass die Stimmung im Unternehmen gut bleibt. Weil die Kantinen zu sind, verteilen wir am Heimatstandort in Schwandorf persönlich jeden Tag Brotzeiten. Da zieht die ganze Familie Horsch mit. Täglich gibt es Mitarbeiterbriefe mit aktuellen Informationen. Für mich ist das eine Lehre aus der Situation: Die offene Kommunikation ist sehr wichtig.

Ich glaube, dass die Landwirtschaft diese Krise gut überstehen wird. Derzeit ist ja auch die Wertschätzung für unsere Branche in der Öffentlichkeit gestiegen, die Negativschlagzeilen haben deutlich abgenommen.

Philipp Horsch, Geschäftsführer Horsch Maschinen GmbH, Schwandorf

----------

Grimme: Schub beim Gemüse

Wir haben schon früh reagieren können, weil unser Werk in China bereits im Januar geschlossen wurde. Die Mitarbeiter in den Büros sind im Wechsel im Homeoffice. In der Produktion haben wir den Schichtwechsel so organisiert, dass sich die Kollegen nicht treffen.

In der wichtigen Frühjahrssaison haben wir voll nach Plan produziert und sind sehr gut zufrieden. Wir haben eine relativ konservative Einkaufsstrategie und daher einen hohen Lagerbestand. Es läuft dann auch mal drei Wochen ohne Zulieferer. Je nach Maschine liegt unsere Fertigungstiefe außerdem zwischen 60 und 95 %.

Unser Werk in den USA meldet einen deutlichen Nachfragerückgang. Denn dort liegt der Anteil von Pommeskartoffeln bei 60 % und deren Absatz ist wegen der geschlossenen Restaurants eingebrochen. In Europa liegt der Pommesanteil bei 15 bis max. 20 %. Die Krise hat die Nachfrage nach Speisekartoffeln steigen lassen. Die Leute kochen mehr. Das merken wir auch beim Gemüse. Durch die fehlenden Saisonarbeitskräfte gibt es einen Technisierungsschub im Gemüseanbau, was unserer dänischen Tochter Asa-Lift zugute kommt.

Deutliche Auswirkungen spüren wir bei der Zuckerrübentechnik. Denn der Zuckerpreis ist durch die Bioethanol-Produktion eng mit dem Ölpreis verbunden – und der ist gerade auf einem Tiefststand.

Sebastian Talg, Geschäftsführer Vertrieb Grimme, Damme

----------

Agco: Rückstand jetzt aufholen

Da Agco auch in China Produktionsstandorte betreibt, wurden wir schon sehr früh mit dem Thema Corona konfrontiert. Mit der Ausbreitung der Coronainfektionen in Europa gab es ab Mitte März 2020 zunehmend Werksschließungen bei wichtigen Zulieferern, u. a. in Italien.

Fehlende Teile waren die Ursache dafür, dass Agco die Produktion an nahezu allen europäischen Standorten ab Ende März oder Anfang April 2020 trotz ordentlicher Auftragslage aussetzen musste. Die Traktorenwerke mussten die Montage von Ende März bis Ende April 2020 für ca. fünf Wochen unterbrechen. Ähnlich war es im Mähdrescherwerk in Breganze/Norditalien. An den Standorten für Futtererntetechnik war der Stopp kürzer. Die Mitarbeiter am Standort Wolfenbüttel konnten die Rundballenpressen ohne Unterbrechung montieren.

Seit der letzten Aprilwoche laufen die Montagebänder an allen europäischen Standorten wieder mit voller Leistung. In allen 20 Werken haben wir dafür zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der rund 12 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgesetzt – an den Montagebändern, in der Teilefertigung, in der Entwicklung, im Parts- und Service-Bereich und auch in den Büros.

Durch den Stillstand gibt es einen Produktions- und Auslieferungsrückstand, den wir aber mit verschiedenen Maßnahmen möglichst schnell wieder aufholen werden. Die Gebraucht- und Neumaschinenmärkte laufen in vernünftigen Bahnen.

Ich persönlich glaube, dass die Krise den Wandel unserer Kommunikationsweise beschleunigt. Je nach Kundenwunsch werden persönliche Gespräche mit digitalen Wegen, wie z. B. Online-Produkt- Konfiguratoren, Kundenportalen, innovativen Terminals und Chats kombiniert.

Torsten Dehner...


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Auf Kommentar antworten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen