Milch: Noch in Quote investieren?

Autor: Torsten Altmann

Melken
Aktuell tragen trotz der regional schlechten Futtersituation möglicherweise die niedrigen Kuhfleischpreise bei vergleichsweise höheren Milchpreisen dazu bei, dass Tiere auf den Betrieben verbleiben und gemolken werden. Fotos: Altmann

Mit 31. März 2015 läuft die Quotenregelung aus. Viele Milcherzeuger, welche in den letzten Jahren von Überschussabgabe betroffen waren, bzw. deren Betriebe sich in Entwicklung und Mengenausweitung befinden, fragen sich nach wie vor: Soll ich jetzt noch Quote kaufen/leasen bzw. zu welchem Preis? Dies ist bis 31. Dezember möglich. Milchwirtchaftsberater Michael Wöckinger von der LK Oberösterreich gibt im Folgenden Hinweise dazu.

Die Quotenpreise hängen eng mit der Überlieferung und mit der davon abhängigen Überschussabgabe zusammen. Die Frage nach dem Quotenkauf ist deshalb grundsätzlich einzelbetrieblich zu klären. Sie hängt davon ab, wie hoch die Überlieferung des jeweiligen Betriebes und damit die Höhe der Überschussabgabe sein könnte. Wie hoch eine mögliche zukünftige Überschussabgabe im ZMZ 2013/14 und ZMZ 2014/15 ausfallen wird, ist schwer vorhersehbar. Das hängt von der Anlieferung ab und diese wiederum von Erzeugerpreisen, Grundfuttermengen und -qualitäten, Produktionskosten etc.

Anlieferung steigt wieder

Die Daten der Milchanlieferung zeigen, dass diese nach einer deutlich geringeren Anlieferung bis Spätsommer seither wieder steigt (siehe Grafik). Dazu trägt mitunter der gestiegene Milchpreis bzw. die damit verbesserte Wirtschaftlichkeit bei. Weiters ist auch die Zeit der geringsten Anlieferung im Jahresverlauf bald durchschritten. Aus ökonomischer Sicht sollten die derzeitigen Marktverhältnisse genutzt werden.

Fuettern
Wichtig für einen möglichen Quotenkauf ist auch die Frage der Futterverfügbarkeit und Futterqualität, vor allem in Hinblick auf die Zeit Mitte bis Ende des Winters.
Demgegenüber steht aber die Frage der Futterverfügbarkeit und Futterqualität, vor allem in Hinblick auf die Zeit Mitte bis Ende des Winters. Der Lieferwille der Milchbetriebe zeigt sich auch in der guten Nachfrage nach Kühen in Milch bei den Absatzveranstaltungen bzw. in den geringeren Kälbergewichten.

Trotz der regional schlechten Futtersituation tragen möglicherweise die niedrigen Kuhfleischpreise bei vergleichsweise höheren Milchpreisen dazu bei, dass Tiere auf den Betrieben verbleiben und gemolken werden. Auch mangelnde Exportmöglichkeiten für Kalbinnen könnten einen kleinen steigernden Einfluss haben, sofern Platz, Futter- und Arbeitsressourcen auf den Betrieben vorhanden sind.

Die AMA hat im zweiten Milchbarometer 2013/14 für die ersten 7 Monate des  Zwölfmonatszeitraums eine Überlieferung von ca. 36.000 Tonnen (fettkorrigiert) bzw. knapp 10 Mio. € Überschussabgabe errechnet. Hierbei ist die 1%ige Quotenerhöhung (30.000 t) des laufenden Jahres bereits berücksichtigt. Offen ist daher die Anlieferung der restlichen 5 Monate.
 
Sinkt die Anlieferung, sollten auch Quotenpreise sinken
 
Eine geringere Milchanlieferung würde eine geringere Überlieferung der nationalen verfügbaren Quote und damit eine geringe Überschussabgabe bedeuten, aber auch umgekehrt.

Sollte die Anlieferung bzw. Strafabgabe unter dem Vorjahr liegen, sollte dies auf die Quotenpreise drücken, da im Falle einer einzelbetrieblichen Überlieferung der zu bezahlende Betrag geringer wird und sich somit auch ein Quotenkauf nur mehr bei geringen Kosten rechnet. Das Risiko, keine Quote zu kaufen und zu überliefern wird geringer.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Abschreibungszeitraum auch nur mehr 2 Jahre beträgt.

Kuh
Sollte die Anlieferung bzw. Strafabgabe unter dem Vorjahr liegen, sollte dies auf die Quotenpreise drücken.
Für Betriebe mit einer geringen Überlieferung besteht ein geringerer Druck zum Quotenkauf als für Betriebe mit hohen Überlieferungen. Geld ist sowohl bei Überlieferung als auch bei Quotenkauf in die Hand zu nehmen.

Mit in die Überlegungen einzubeziehen ist auch der Zwölfmonatszeitraum 2014/15, im Hinblick auf die einzelbetriebliche Anlieferungsentwicklung. Für das Quotenjahr 2014/15 wird es keine Quotenzuteilung, wie in den vorangegangenen 5 Jahren geben. Die Kosten für Quotenkauf müssen bis März 2015, also auf 2 Jahre abgeschrieben werden. Den Kosten entweder der jährlichen Abschreibung oder für das jährlichen Leasing der Quote ist eine mögliche Überschussabgabe gegenüber zu stellen.

Es sollte auch beachtet werden, wie hoch eine mögliche Überschussabgabe die Gesamtanlieferung des Betriebes als Kostenposition oder den Jahresmilchpreis beeinflusst.

Mit dem Mittelweg das Risiko minimieren

Ein Quotenkauf für die letzten 2 Jahre ist für keinen Betrieb zwingend notwendig. Es hängt v.a. von der Höhe der zu erwartenden einzelbetrieblichen Überlieferung bzw. dem Anteil der Überlieferungsmilch im Bereich der Überschussabgabe mit Zuschlag ab. Keine Quote mehr zu kaufen und die Überschussabgabe zu bezahlen, ist eine Variante. Die gesamte erwartete Überlieferung mit Quotenkauf abzudecken, eine Zweite. Ein risikominimierter Weg liegt in der Mitte in Form von Kauf und Überlieferung.

Anlieferungsmengen zu reduzieren, um einer Überschussabgabe zu entgehen, kann mitunter auch teuer werden. Das gilt vor allem dann, wenn bestehende Kapazitäten (= Fixkosten für Stallplätze, Technik, Arbeitszeit) nicht genutzt werden. Eine alternative Verwertung von Übermilch über z.B. Verfütterung oder ähnliches, ist einzelbetrieblich zu prüfen. Eine gute Kostenstruktur bzw. im Vergleich zu anderen Betrieben geringere Produktionskosten, schaffen Spielraum für Überschussabgabe oder Quotenkauf im Falle von Produktionsausweitung oder Überlieferung.

Auch möglichen Quotenverkäufern muss klar sein, dass die Quote immer weiter an Wert verliert und daher überzogene Preisforderungen nicht argumentierbar sind. Der Quotenpreis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Die Entwicklungen der nächsten Wochen und Monate sind genau zu beobachten. Einzelbetrieblich ist die Situation zu analysieren und darauf aufbauend zu entscheiden.

Was die Überlieferung und was der Quotenkauf kostet

Anhand von Beispielen wird im Folgenden dargestellt, wie hoch die Kosten für die Überlieferung und für den Quotenkauf liegen könnten. Zunächst zu den möglichen Kosten für die Überlieferung: Da diese jetzt noch nicht abschätzbar sind, beruhen die folgenden Zahlen auf den Ergebnissen der Saldierungsrechnung 2012/13: Basisüberschussabgabe 7,776 Cent, Überschussabgabe mit Zuschlag 19,44, Zuweisungsprozentsatz 9,03%

Berechnung: Für den Anteil der eigenen Quote in der Höhe des Zuweisungsprozentsatzes ist die Basisüberschussabgabe zu entrichten, für alles darüber die ÜA mit Zuschlag. Die unten angeführten Werte ergeben sich aus der Summe der beiden Überschussabgaben dividiert durch die Menge über Quote bzw. die gesamte angelieferte Menge.

Beispiel: 100.000 kg A-Quote, Anlieferung 110.000kg à 10% Überlieferung
Für 9.034kg 7,776 Cent, für 966kg 19,44 Cent à ~ € 702.- + €188.- = € 890.-
 

Tabelle Überschussabgabe

Die Absolutbeträge der Überlieferungskosten hängen klarerweise von der Gesamtmenge an Überlieferung ab. So bezahlt ein Betrieb aus dem obigen Beispiel € 890.-, ein Betrieb mit beispielsweise 250.000kg Quote und 275.000  Anlieferung (= 10%) € 2.225.-

Quotenkosten
 

Wie erwähnt, ist es schwer abzuschätzen, wie die Endabrechnung 2013/14 aussehen wird. Nicht prognostizierbar ist der Zuweisungsprozentsatz, also die Grenze zwischen Basisüberschussabgabe und Überschussabgabe mit Zuschlag. Dieser hängt von der Summe der Unterlieferungen und den A-Quoten der Überlieferer ab. Das ist seriös erst jeweils nach 31.März möglich. Noch viel ungewisser sind Prognosen für den ZMZ 2014/15. Dann gilt es die Situation neu zu beurteilen. Alles andere ist spekulativ.

Schlagworte

Überschussabgabe, Überlieferung, Anlieferung, bzw, Quotenkauf, Quote, hängt, ZMZ, Quotenpreise, einzelbetrieblich

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