VÖS zu Gentechnik bei Futtermitteln: Wir haben nichts zu verbergen

Autor: Beate Kraml

Soja
Der Großteil des Futtersojas muss importiert werden.
Quelle: Archiv

Greenpeace fordert einen vollständigen Ausstieg aus Gentechnik-Futtermitteln in der Schweinehaltung. Hintergrund ist ein Test, bei dem in Schweine-Futter gentechnisch veränderter Soja nachgewiesen wurde. Der Verband Österreichischer Schweinehalter (VÖS) meldete sich daraufhin zu Wort. Denn die Umweltschutz-Organisation witterte Täuschung beim AMA-Gütesiegel.

Greenpeace hat gängiges Schweine-Futtermittel, darunter für Mastschweine und für Ferkel, vom Umweltbundesamt testen lassen. Dabei kam heraus, dass rund 90 Prozent des Sojas gentechnisch verändert waren. Greenpeace verwies in einer Aussendung, dass somit auch Schweinefleisch mit AMA-Gütezeichen mit gentechnisch verändertem Soja produziert werde. Die Organisation fordert nun von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger einen Ausstiegsplan aus Gentechnik-Futtermitteln für die gesamte österreichische Lebensmittelproduktion, beginnend mit dem österreichischen AMA-Gütesiegel.

Täuschung der Konsumenten?

Außerdem bemerkte Greenpeace, dass für die Konsumenten das Gentech-Soja im Schweinefleisch nicht nachvollziehbar sei. Auf den Verpackungen im Supermarktregal fehle jeglicher Hinweis. Zudem stamme das Futtermittel oft aus Ländern wie Brasilien oder Argentinien und sei mit Regenwaldzerstörung verbunden.

Daraufhin meldete sich der VÖS zu Wort: „Österreichisches Schweinfleisch wird unter Einhaltung strenger gesetzlicher Vorgaben produziert. Das AMA-Gütesiegel steht in diesem Zusammenhang für die österreichische Herkunft des Frischfleischs und schreibt nicht vor, dass gentechnikfreie Futtermittel eingesetzt werden müssen. Von einer Täuschung oder gar einem Skandal kann daher keine Rede sein. Im Gegenteil, die AMA hat bereits spezielle Module entwickelt, welche den Einsatz von GVO-freien Futtermitteln auch bei Schweinefleisch gewährleisten können. Diese Art der Fütterung ist aber derzeit nicht flächendeckend möglich." Das stellt Walter Lederhilger, Obmann des VÖS fest.

"Die heimischen Schweinebauern erzeugen den überwiegenden Anteil der Futtermittel selbst am Betrieb. Bei Soja sind wir aber auf Importe, auch aus Übersee, angewiesen. Soja ist wegen seines hohen Gehaltes an Eiweiß ein wichtiger Bestandteil der Futterrationen heimischer Schweine. Die benötigten Sojamengen können wir derzeit nur teilweise mit Ware aus österreichischer Produktion oder mit europäischem Soja in einer wirtschaftlich vertretbaren Art und Weise abdecken. Dieses Problem teilen wir mit vielen Ländern in der EU", erklärt der VÖS-Obmann. Neben der Verfügbarkeit müsse auch bedacht werden, dass der Preis für Nicht-GVO-Soja um bis zu 30% höher ist.

Laut Greenpeace-Aussendung sei bei Schweinefleisch nur Bio-Schweinefleisch, und Schweinefleisch mit dem grün-weißen „Ohne Gentechnik“-Siegel garantiert gentechnikfrei. Dabei handle es sich derzeit jedoch um Nischenprodukte. Bio-Schweinefleisch habe einen Marktanteil von zwei Prozent, konventionelles gentechnikfreies Schweinefleisch von etwa zehn Prozent.

Europäische Lösungen entwickeln

Im Zusammenhang mit Sojaimporten aus Übersee, auch aus gentechnisch veränderten Pflanzen, hält Lederhilger eine europäische Lösung für zielführender als nationale Alleingänge. "Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die 'Europäische Eiweiß-Konferenz' in Wien mit Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Agrarkommissar Phil Hogan. Damit soll ein Prozess gestartet werden, der die Entwicklungspotenziale und Möglichkeiten von Eiweißpflanzen für die Lebens- und Futtermittelproduktion in der EU forcieren soll", unterstreicht Lederhilger. Sowohl die heimischen Schweinebauern als auch die Fleischbranche stünden im Wettbewerb mit europäischen und internationalen Anbietern auf den Exportmärkten. Ohne EU-Schulterschluss in diesen Belangen stehe Österreich auf verlorenem Posten, da in vielen Ländern der Verzicht auf GVO-Futtermittel überhaupt kein Thema sei.

Heimische Schweinebauern ergreifen Initiative

Das Thema gentechnikfreie Fütterung wird von den österreichischen Schweinebauern nicht ignoriert. In der Vergangenheit gab es bereits Gespräche von Vertretern der heimischen Produzenten, der Schlachtbranche und des Lebensmitteleinzelhandels (LEH). Ziel war es, eine Branchenlösung für die Umstellung des Schweine-Frischfleischs im LEH auf GVO-freie Fütterung zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich alle Teilnehmer mit großer Ernsthaftigkeit intensiv mit den Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine derartige Umstellung befasst.

"Die gemeinsame Analyse hat schlussendlich ergeben, dass mit den derzeitigen Rahmenbedingungen ein solches Vorhaben als nicht realisierbar eingeschätzt wird. Das hat auch mit der dafür benötigten kontinuierlichen Verfügbarkeit von Teilstücken und der erforderlichen lückenlosen Beteiligung des österreichischen Handels zu tun. Zu erwähnen ist auch die hohe Preissensibilität der österreichischen Konsumenten bei Schweinefleisch", fasst Lederhilger die Gespräche zusammen. Er betont aber auch, dass die Landwirtschaft jederzeit zu Gesprächen über Weiterentwicklungen bereit sei. Dazu müsse aber auch eine ehrliche Diskussion über notwendige finanzielle Abgeltungen für Mehrleistungen durch die heimischen Schweinebauern stattfinden.

Schlagworte

Schweinefleisch, Greenpeace, Soja, AMA, Futtermitteln, gentechnisch, Gentechnik, VÖS, österreichische, Futtermittel

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