Tirol

Zufriedenstellende Erntebilanz für das heurige Jahr

Die Tiroler Bäuerinnen und Bauern können größtenteils zufrieden auf das heurige Jahr zurückblicken. Trotz geringerer Niederschläge blieb die große Dürre, wie sie in weiten Teilen Europas zu spüren war, aus. Dennoch stellen sich die Betriebe auf ändernde Rahmenbedingungen ein.

Für LK-Präsident Josef Hechenberger ist klar, dass die Auswirkungen des Klimawandels sich auch bei uns immer stärker auswirken werden: „Wir hatten heuer ein mildes Frühjahr und in Summe einen gemäßigten Sommer. Es wurden zwar mehr Schäden durch Hagel und Dürre gemeldet, allerdings hatten wir glücklicherweise nur kleinräumige Unwetterereignisse. Uns ist klar, dass das nicht so bleiben wird und wir uns deshalb auf die Veränderungen einstellen müssen. Dazu gibt es verschiedene Maßnahmen. Eine davon ist, alles daran zu setzen, um eine weitere Verschlechterung der Situation zu verhindern. Unsere regionale, standortangepasste Landwirtschaft ist nicht die Ursache, sondern ein Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels. Deshalb freut es mich, dass unsere bäuerlichen Betriebe sich den neuen Herausforderungen – seien sie durch Klima- oder Energiekrise bedingt – stellen und einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Land leisten!“

Längere Vegetationsperiode

In Tirol wird auf rund 1.500 Hektar Gemüse angebaut, rund 40.000 Tonnen werden jährlich geerntet. Diese Menge wird auch heuer wieder erreicht werden, so der zuständige Fachbereichsleiter Wendelin Juen: „Die Vegetationsperiode ist heuer recht lang – beispielsweise hat die Obstblüte zehn Tage früher als 2021 begonnen. Der Niederschlag lag im Sommer unter den langjährigen Mittel. Das hat sich vor allem beim Sommergetreide negativ auf den Ertrag ausgewirkt, auch bei den Kartoffeln war die Trockenheit ein Problem. In Summe ist klar festzuhalten, dass die Bewässerung auch in Tirol künftig unumgänglich ist. Hier geht es um einen zielgerichteten und wassersparenden Einsatz, damit wir die Lebensmittelproduktion gewährleisten können.“

Die Kulturen im Überblick:

Gemüse

Im Frühjahr hatte der Gemüsebau mit einer starken Trockenphase durch fehlende Niederschläge zu kämpfen. Der Hochsommer war geprägt von einer langen Hitzeperiode. Das führte bei wärmeliebenden Kulturen (z.B. Zucchini und Kürbis) zu einem guten Wachstum, wobei jedoch bei Kulturen, die eher ein gemäßigteres Klima bevorzugen, wie z.B. Kohl, leichte Ernteeinbußen zu verzeichnen sind. Die notwendigen Preissteigerungen, verursacht durch die Erhöhung der Betriebskosten, führten vorübergehend zu Absatzeinbußen.

Der Krieg in der Ukraine hat durch die langjährige Zusammenarbeit mit ukrainischen Staatsbürgern zu großer Betroffenheit und Anteilnahme geführt. Die Tiroler Gemüsebauern haben in Eigeninitiative und mit Hilfe großzügiger Sach- und Geldspenden acht Hilfstransporte mit Sattelschleppern organisiert. Es wurden 110 Tonnen Obst und Gemüse, sowie 75 Paletten anderer Hilfsgüter wie Medikamente und Hygieneartikel in die Ukraine und in die Grenzregionen geliefert.

Obst

Der Saisonstart war aufgrund der warmen Witterung rund zehn Tage früher als 2021. Mitte April bis Anfang Mai gab es einige Frostnächte, wobei die Schäden durch Beregnungsanlagen auf ein Minimum reduziert werden konnten. Die anschließend trockene Witterung bis in den Frühsommer hinein hat zu einem gesunden Baumbestand geführt. Beim Apfel ist die Ernte bei den späten Sorten noch nicht abgeschlossen, bis jetzt bewegen sich die Mengen auf Vorjahresniveau, die Qualitäten sind gut. Sehr gut war der Ertrag bei Erdbeeren und Zwetschken mit einem 14 Tage früheren Erntezeitpunkt.

Getreide

Die Erträge bei den Winterungen (Wintergerste, Winterweizen, Winterroggen und Triticale – die Aussaat erfolgt im Herbst) waren durchwegs im Mittel der letzten Jahre und lagen bei rund 4,7 Tonnen je Hektar.

Bei den Sommerungen (Sommergerste, Sommerweizen und Sommerhafer – Aussaat erfolgt ab März) konnten die Erträge nicht überzeugen und lagen im Mittel um 30 Prozent unter den Ertragserwartungen. Die trockenen Frühjahre der letzten Jahre führten zu einem verstärkten Anbau von Wintergetreide, welches bereits im Oktober ausgesät wird. Mit dem Getreideanbau von 800 Hektar erreicht Tirol einen Selbstversorgungsgrad mit Getreide von knapp einem Prozent.

Mais

Die Vegetationsperiode 2022 war für Silomais sehr gut. Die überdurchschnittlichen Temperaturen begünstigten die Entwicklung der wassersparenden C4 Pflanze Mais. Die Abreife der angebauten 2.700 Hektar war daher um ca. zwei Wochen früher als im Durchschnitt der Jahre.

Erdäpfel

In Tirol werden auf 420 Hektar Erdäpfel angebaut. Die Erdäpfel hatten vielerorts durch den recht trockenen Sommer Probleme mit ihrer Entwicklung. Daher liegen die Erträge 2022 etwa 20 Prozent unter dem Mittel der letzten zehn Jahre, wobei auf Standorten mit Bewässerung Normalerträge erzielt wurden.

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