Wolfspärchen in Osttirol

Alle Herdenschutzmaßnahmen ausgeschöpft - vergeblich!

Nicht nur 17 Schafe und eine Ziege fielen Wolfsangriffen in Lavant in Osttirol zum Opfer, sondern auch ein 300 Kilogramm schwerer Jungochse. Sämtliche Herdenschutzmaßnahme wurden ausgeschöpft. Das Wolfspärchen ist nun zum Abschuss freigegeben.

Die Schafbauern aus Lavant in Osttirol haben die Reißleine gezogen – zumindest zwei von ihnen, denn mehr sind nach zwei schwierigen Jahren nicht mehr übrig. Am vergangenen Wochenende trieben sie ihre Schafe zurück ins Tal . In der Nacht von 23. auf 24. Juli hatten Wölfe dutzende Tiere getötet. Die Lavanter Bauern beteuern, alle Herdenschutzmaßnahmen ausgeschöpft zu haben. Die Tiere wurden in einen Nachtpferch getrieben, eine Hirtin engagiert, Zäune mit 6.000 Volt gespannt und den Schafen Elektrohalsbänder umgehängt. Das Raubtier schlug dennoch zu ("Rückschlag: Wolf tötet Schafe trotz Elektro-Halsband").

Das Vergrämhalsband, das durch einen Stromschlag Wölfen beibringen soll, keine Schafe mit diesem Accessoire zu töten, hat in einer ersten Feldstudie nicht alle Schafsleben gerettet. (Bildquelle: Brainflash)

Ortsbauernobmann Klemens Kreuzer zeichnet ein dramatisches Bild: „Ich rate niemandem, momentan dort oben zu wandern. Da liegen 35 Kadaver, die Alm ist übersät mit Gerippen. Die Hirtin muss nur noch den Gänsegeiern folgen.“ Durch die 40 Hektar große Hochalm führt unter anderem der beliebte Dreitörlweg.

Nach dem Abtrieb der Schafe weiden auf der Lavanter Hochalm nur noch die 15 Rinder von Klemens Kreuzer. Doch am 29. Juli wurde ein 11 Monate alter Ochse, mit ca. 300 Kilogramm gerissen. Bereits zwei Nächte nach dem Ochsen-Riss, wurde in der Nacht vom 1. auf 2. August, auf der benachbarten Alm am Hochstadel (Oberkärnten) ebenfalls ein Rind schwer verletzt. Hier steht der Wolfsnachweis noch aus.

Heute wurde schließlich der Abschussbescheid des Tiroler Fachkuratoriums ausgestellt. Die Überraschung: Es handelt sich um zwei Wölfe, ein männliches und ein weibliches Tier. Erlegt hat den Ochsen vermutlich eine Wölfin (ihr Kürzel: 121 FATK), die schon im vergangenen Sommer im Drautal unterwegs war. Auch der männliche Wolf (108 MATK) ist bereits länger in Tirol unterwegs, er war bei einem Rotwild-Riss in Neustift im Stubaital, bei Nutztier-Rissen in Trins (Bezirk Innsbruck-Land), in Hopfgarten in Defereggen, Außervillgraten und Assling sowie in Kärnten nachweislich der „Täter“. Er war schon im Vorjahr zum Abschuss freigegeben.

„Um weiteren Schaden abzuwenden und zum Schutz vor weiteren Übergriffen“ empfiehlt das Fachkuratorium den Abschuss der beiden Wölfe. Das Schadenspotenzial sowie die potenzielle Bedrohung für weitere Nutztiere sei erheblicher als nur von einem Wolf anzusehen. Man fürchtet, dass weitere gealpte Rinder attackiert werden. Das Fachkuratorium argumentiert, dass „die Tötung eines Tiers dieser Größe im Vergleich zur Gefährdungs- und Schadensentwicklung bei Schafen und Ziegen einer weiteren, neuen und schwerwiegenden Eingriffstiefe entspricht.“ Zugleich erkennt das Fachkuratorium die ernsthaften Schutzbemühungen und Herdenschutzmaßnahmen des Lavanter Bauern an, auch wenn sie nicht erfolgreich waren. Die entsprechende Gefährdungsverordnung wird gemäß dem vorgesehenen Prozedere bereits vorbereitet. Der Ausnahme-Bescheid von der ganzjährigen Schonung zur Entnahme der Wolfsindividuen ist in Ausarbeitung.

Nun stehen in Lavant die Jäger Gewehr bei Fuß. Der Abschuss eines Wolf ist jedoch knifflig. Möglich ist die „Entnahme“ meist nur nachts und in der Dunkelheit verbietet das Tiroler Jagdgesetz den Einsatz von Nachtsichtgeräten. Die Osttiroler Bauern und Jäger blicken nach Kärnten, wo nicht nur die Entnahme von Wölfen bereits mehrmals per Verordnung erlaubt wurde, sondern auch der Einsatz von technischen Hilfsmitteln.

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