Milchpreisvergleich 2020

Wer hat gewonnen? Wie haben wir gerechnet?

Im ersten Corona-Jahr stiegen die Erzeugerpreise der Milchabnehmer in allen Kategorien gegenüber 2019 leicht an. Vor allem die Spezialmilchsorten boomten.

milchtankwagen

Die Ablieferungsmenge blieb 2020 letztlich knapp unter dem Niveau von 2019.. (Bildquelle: agrarfoto.com)

Die Berchtesgadener Land ist 2020 beim top agrar Milchpreisvergleich in der Kategorie gentechnikfreie Milch erneut ganz vorne. Auch die Kategorie Biomilch konnte die bayerische Genossenschaftsmolkerei wie schon die Jahre davor für sich entscheiden. Wer es in den einzelnen Kategorien (GVO-frei, Bio, ZzU, Heumilch, Bioheumilch) sonst noch auf die Stockerlplätze geschafft hat, erfahren Sie im in der top agrar Österreich-Ausgabe 3/2021 sowie hier.

Im Folgenden erklären wir, wie wir bei dem Vergleich gerechnet haben.

Datenbasis für den Milchpreisvergleich sind Abrechnungen der Landwirte und/oder Informationen der Molkereien. Die meisten Unternehmen sind kooperativ und geben uns ihre Auszahlungsdetails etc. bekannt. Einzige Ausnahme bildete die Molkerei Weihenstephan.

Musterbetriebe mit 100, 300 und 500 t Anlieferung

Zurück zum Vergleich: Die Erzeugerpreise haben wir für drei Musterbetriebe ermittelt, und zwar für einen Musterbetrieb mit 100 t, 300 t und 500 t abgelieferter Milch. Alle Preise sind für Milch mit 4,2 % Fett, 3,4 % Eiweiß und ohne MwSt. gerechnet. In den Preisen sind die vollen S-Klasse-Zuschläge (50/250) berücksichtigt. Die Kärntner Milch hat mit 200.000 Zellen bekanntlich eigene Kriterien für die S-Klasse.

Für mengengestaffelte Zuschläge (Mengenbonus) haben wir als monatliche Anlieferung theoretisch 8.333 kg, 25.000 kg bzw. 41.667 kg angenommen. Sämtliche Fixkosten und die Pauschale für Hofabholung wurden berücksichtigt. Der AMA-Marketingbeitrag wurde abgezogen.

Nachzahlungen der Molkereien wurden, soweit bereits bekannt, berücksichtigt. Aus der Summe aller Preisbestandteile wird für jeden Monat ein Vergleichspreis errechnet, der mit der monatlichen Anlieferungsmenge der Molkerei gewichtet wird (Jahresmittel).

Extraleistungen einzelner Milchverarbeiter

Die meisten Molkereien bieten Serviceleistungen, wie Zubringerentschädigung, Harnstoffuntersuchungen, Ausreißregelung etc. an. Weil diese aber nicht ohne weiteres monetär zu bewerten sind, konnten wir sie nicht berücksichtigen.

Große Unterschiede gibt es bei den Geschäftsanteilen der Genossenschaften, die Milchbauern als Anteilseigner in den Genossenschaften zeichnen müssen. Die Belastung durch den kalkulatorischen Zinsverlust je kg Milch liegt zwischen 0,001 und 0,2 Cent, wenn man einen Zinssatz von 1 % unterstellt. Wir haben den kalkulatorischen Zinsverlust bei den Milchpreisen in Abzug gebracht.

Anlieferungs- und Entlohnungsregime der Kärntnermilch

Aufgrund des Ausfalls der Produktabnahmen der Gastro- und Großhandelsabnehmer zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 sahen sich mehrere Milchverarbeiter veranlasst, Milchanlieferungsbeschränkungen samt Milchgeldeinbußen für die daraus abgeleiteten Übermengen einzuführen. So hat auch die Kärntnermilch ein solches "Notprogramm" beschlossen.

Da dieses bei der Kärntnermilch letztlich nur Betriebe betraf, die im Vergleich zur Anlieferung im ersten Quartal 2020 dann im April und Mai 2020 überlieferten, wird und kann dies im Milchpreisvergleich – auch aus einzelbetrieblichen Datenschutzgründen – nicht berücksichtigt werden. Die im Jahresmilchpreisvergleich 2020 aufscheinenden Durchschnittspreise der Kärntner Milch bilden sohin nur die Entgelte jener Bauern ab, die von den Abschlägen für allfällige Übermengen in den Monaten April und Mai nicht betroffen waren.

Die Molkereiführung feierte ihr Modell als erfolgreich ab. So gab es im April ein Anlieferungsrückgang von etwa 7%, im Mai war der Prozentsatz etwas höher, so die Molkerei damals. Genauere Zahlen wurden aber nicht bekannt gegeben.

In Hinblick auf eine zukünftige Regelung der Milchmengenanlieferung haben dann am 22. Februar 2021 Vorstand und Aufsichtsrat der Kärntnermilch in einer gemeinsamen Sitzung den einstimmigen Grundsatzbeschluss über ein neues Anlieferungsrecht beschlossen. Demnach ergeben die bis 31. Dezember gezeichneten Anteile an der Genossenschaft das Lieferrecht. Für die Milchmenge, die über das Anteilslieferrechtrecht hinausgeht, wird es eine Abschlagszahlung geben. Fix ist, dass es heuer bei der Biowiesenmilch zu keinem Abschlag für allfällige Mehrmengen kommen wird. Über die Höhe des Abschlages beim Milchpreis für die konventionelle GVO-freie Rohmilch im heurigen Jahr werden Aufsichtsrat und Vorstand noch beraten.

Ebenso soll in einer gemeinsamen Sitzung des Verwaltungskörpers über die Vorgangsweise bei Betrieben, die im letzten Jahr in die Milchwirtschaft investiert haben oder dies heuer tun wollen und aufstocken, individuell beraten und entschieden werden.

Milchhändler Apollo blieb unberücksichtigt

Die in unserem monatlichen Milchpreisbarometer (mit 150.000 kg Jahreslieferung) im Heft mitberücksichtigte Apollo haben wir im Jahresmilchpreisvergleich 2020 außen vor gelassen. Die Apollo, ein reiner Milchhändler, zahlte seinen Lieferanten im Jahresschnitt einen Erzeugerpreis von 32,78 Ct/kg und wäre sohin Letzter in der Kategorie GVO-freie Rohmilch.

Fehlerkorrekturen

Unsere errechneten Vergleichspreise haben allen Molkereien zur Prüfung und Stellungnahme rechtzeitig vorgelegen, damit mögliche Fehler ausgeschlossen werden können. Soweit uns Änderungen bis Redaktionsschluss mitgeteilt wurden, haben wir diese im Heft auch berücksichtigt.

Nach Hefterscheinen monierte die Berchtesgadener Land die Korrektur des Umrechnungsfaktors beim Fett. Demnach steigt der ohnehin schon eklatante Abstand dieser bayerischen Molkerei zu den Mitbewerbern nochmals leicht auf +1,56 Cent (GVO-frei) bzw. 3,88 Cent (Bio) an:

  • Kategorie GVO-freie Milch: 38,57 Ct/kg (Kategoriezweite Ennstal Milch zahlte 37,01 Ct/kg)
  • Kategorie Biomilch: 50,13 Ct/kg (Kategoriezweite Kärntnermilch zahlte 37,01 Ct/kg)

Stand: 11.03.2021, 11:30 Uhr


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