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Kriechströme: „Der Melkroboter ließ uns fast verzweifeln“

JETZT HIER DER KOMPLETTE ARTIKEL! Acht Jahre lang bekamen Gerhard und Nicole Lindner die Probleme mit ihrem Melkroboter nicht in den Griff – bis ein Sachverständiger Kriechströme im Melkarm entdeckte.

Jetzt können wir richtig durchstarten“, dachten sich Gerhard und Nicole Lindner aus Auerbach in der Oberpfalz, als sie 2012 ihren neuen Laufstall mit besonders tiergerechter Haltung auf einem Aussiedlungsstandort fertiggestellt hatten. Bis dahin hielten sie ihre Milchviehherde im Anbindestall, die dort bereits eine überdurchschnittliche Leistung von 8.700 kg erreichte.

Auch die Zellzahl von unter 100.000 lag auf einem sehr guten Niveau. Durch den besseren Kuhkomfort im neuen Stall und die höhere Melkfrequenz erhofften sich Lindners aber einen weiteren Leistungsschub.

Lange Leidensgeschichte

Doch weit gefehlt. Mit dem Einzug in den neuen Stall begann vielmehr eine jahrelange Leidensgeschichte. „Von Anfang an ging ein Teil der Herde nur sehr ungern in die Melkbox“, berichtet Gerhard Lindner. „Etliche Kühe waren unruhig und haben immer wieder auffällig geschlagen. Und ständig mussten wir Kühe nachtreiben.“

Bereits im ersten Protokoll nach Bezug des Stalles wies die für die Einweisung der Betriebe vom Roboter-Hersteller DeLaval beauftragte freie Beraterin Kerstin Neugebauer auf ein auffälliges Schlagen der Tiere hin.

Laut Anna Maria Miller und Stefan Pickel von der VFR GmbH in Neustadt/Aisch, die den Betrieb Lindner seit 2013 produktionstechnisch und betriebswirtschaftlich beraten, zogen sich die Probleme über viele Jahre hin. Mal seien sie stärker ausgeprägt gewesen, mal schwächer.

Die BayWa, von der Lindner den Roboter gekauft hatte und die bis Sommer 2020 für den Kundendienst zuständig war, unternahm zwar etliche Versuche der Nachbesserung, jedoch jedes Mal ohne nennenswerten Erfolg. War die PV-Anlage schuld?

Auch Lindner selbst setzte alle Hebel in Bewegung, um die Probleme zu lösen. So wurde zunächst vermutet, dass sich die Wechselrichter der Photovoltaikanlage, die Lindner 2013 auf dem Stalldach installiert hatte, zu nah an der Roboterbox befanden. Der Milchviehhalter schraubte sie ab und auf der dem Roboter abgewandten Seite des Stall-büros wieder an – ohne Erfolg.

Um Spannungsschwankungen auf den Roboter auszuschließen, nahm der Landwirt mit seinen Söhnen Lukas und Bastian später sogar die komplette PV-Anlage vom Dach. Als sich auch hier keine Verbesserung einstellte, installierte er sie nach drei Monaten wieder.

Ein andere Vermutung war, dass Spannungsschwankungen im Stromnetz die Ursache für die Probleme sein könnten. Lindner nahm deshalb zwischendurch den Stall komplett vom öffentlichen Stromnetz und versorgte ihn 40 Tage lang mit einem Notstrom-aggregat. Doch auch das brachte keinen positiven Effekt. 2018 baute der Milchviehhalter einen Trenntrafo ein, um Spannungsunterschiede im Netz zu nivellieren.

Danach nahm er zunächst eine leichte Verbesserung der Situation wahr. Doch nach kurzer Zeit pendelten sich die Probleme wieder auf dem ursprünglichen Level ein. Der Milchviehhalter beauftragte auch einen Spezialisten für elektromagnetische Verträglichkeit, der prüfen sollte, ob andere Geräte einen störenden Einfluss auf den Melkroboter haben. Lindner verlegte Erdungen und Wasserleitungen neu. Auch hier Fehlanzeige, was die Effekte auf den Melkroboter betraf.

Zweifel am Management

Weil keine der Maßnahmen zum Erfolg führte, zweifelten die Vertreter des Herstellers und des Verkäufers auch Lindners Managementfähigkeiten an. „Mir wurde vorgeworfen, dass die Fütterung nicht passe, die Liegeflächen nicht gut gepflegt seien und ich die Kalbinnen nicht anlerne“, berichtet der Milchviehhalter. „Das machte mir schwer zu schaffen, weil das an mein Selbstverständnis ging.“ Noch mehr bedrückte ihn aber, dass er sah, dass viele Kühe nach wie vor widerwillig in die Robotorbox gingen und sich dort so unwohl fühlten, dass sie schlugen. „Für mich grenzte das an Tierquälerei – und das Schlimme war, dass ich nichts dagegen tun konnte“, blickt der Milchviehhalter zurück.

Riesiger Schaden

Hinzu kam ein riesiger finanzieller Schaden. „Wir mussten in manchen Jahren bis zu 80 % der Jungkühe verkaufen, weil sie sich nicht melken ließen“, sagt Lindner. Bei den verbliebenen Tieren seien vermehrt Euterprobleme aufgetreten. Einmal habe der Zellgehalt vier Monate lang über 500.000 gelegen. Sein...

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