Interview

Vion: „Die Zeit der Mega-Schlachtbetriebe ist vorbei!“

Die Fleischbranche steckt im Umbruch. Vion hat dennoch gute Geschäftszahlen hingelegt. top agrar sprach mit den Managern David De Camp & John de Jonge über die Fleischvermarktung der Zukunft.

David De Camp & John de Jonge

Top agrar sprach mit den Managern John de Jonge (Geschäftsführer Schwein) und David De Camp (Geschäftsführer Rind) über die Chancen in der Fleischvermarktung. (Bildquelle: Vion )

Wie hat Vion das Krisenjahr 2020 überstanden?

David De Camp: Unser Ergebnis ist trotz der Corona- und ASP-bedingten Schwierigkeiten erstaunlich gut ausgefallen. Nur weil wir die Herausforderungen mit Agilität annehmen konnten, ließen sich unser Ergebnis und konkret der Gewinn auf fast 53 Mio. € deutlich verbessern. Die größte Herausforderung für uns war Corona. Denn es gab kein Handbuch für eine Pandemie, den Umgang damit mussten wir erst ganz neu lernen.

Wie ist das möglich? Ihre Mitbewerber berichten von deutlich höheren Kosten durch Corona und ASP in Deutschland.

John de Jonge: Unser Vorteil ist, dass wir viele mittelgroße Standorte haben, die sich zudem auf zwei EU-Länder verteilen. Wir konnten so schnell und flexibel reagieren, wenn es in einzelnen Werken Probleme gab. Unsere Kunden konnten wir jederzeit verlässlich bedienen.

Bisher waren die großen zentral organisierten Schlachtbetriebe im (Kosten-)Vorteil. Hat sich da etwas verändert?

De Camp: Die Klimadebatte, der Wunsch, regionaler und umweltfreundlicher einzukaufen, aber auch Corona – es deutet viel darauf hin, dass die Mega-Fleischfabriken nicht mehr in die Zeit passen. Das spielt uns in die Karten. Nach unserem Restrukturierungsprogramm optimieren wir uns jetzt in den Regionen. „Geprüfte Qualität Bayern“ oder das „Norddeutsche Holstein-Rind“ sind erfolgreiche Beispiele dafür.

Vion verliert allerdings seit Jahren Marktanteile bei Schwein und auch bei Rind. Was sagen Ihre Eigentümer dazu?

De Jonge: Das ist nicht ganz richtig. Nach einem Rückgang der Schlachtzahlen halten wir unsere Stückzahlen bei den Schweinen mittlerweile. 2020 haben wir in Deutschland 7,6 Mio. Schweine verarbeitet – genauso viele wie im Jahr davor. Auf diesem Level optimieren wir unsere Standorte. Vielleicht steigt die Menge auch wieder, denn den Standort Perleberg bauen wir gerade etwas aus.

Und wie sieht es bei den Schlachtrindern aus?

De Camp: Wir haben 2020 etwas Marktanteil verloren, das ist richtig. Das hatte aber vor allem mit einer zeitweisen Schlachthofschließung durch Corona zu tun. Grundsätzlich wollen wir auch hier unsere Umsätze halten.

Vions Motto lautet: „Wertschöpfung ist wichtiger als Umsatz“. Wie hat sich Ihre Wertschöpfung in den letzten Jahren entwickelt?

De Camp: Sehr gut. Diese Valorisation (gleich: Mehr Wertschöpfung) erzielen wir über die Wertschätzung. Denn wir wollen unsere Produkte nicht verramschen. Die Philosophie, zu diesem Zweck unsere ganze Produktion transparenter zu machen, verfolgen wir seit 2016. So differenzieren wir unsere Produkte immer mehr und sequenzieren unsere Märkte. Um dort die richtigen Produkte zum richtigen Zeitpunkt in der gewünschten Spezifikation anzubieten, braucht es eine zuverlässige Vorausschau. Diese strukturierten Daten helfen uns, bessere Produkte für den Kunden anbieten zu können. Premiumprodukte wie das Simmentaler Jungbullenfleisch oder unser Robusto-Programm bei den Schweinen sind Beispiele.

Die Tierzahlen in Deutschland schrumpfen und die Auslastung der Schlachtbetriebe sinkt. Welche...

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